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Sep

Amflora – Wenn Genkartoffeln in die Pubertät kommen

Vielleicht ist die Zahl 13 nicht grundlos als Unglückszahl bekannt. Denn nach 13 Jahren wurde der Anbau der genmanipulierten Amflora Kartoffel innerhalb der EU zugelassen.

Was ist Amflora eigentlich?

Amflora ist eine Kartoffelsorte, die von BASF Plant Science entwickelt wurde. BASF Plant Science ist, wie der Name schon erahnen lässt, eine Tochtergesellschaft des deutschen Chemiekonzerns BASF. Diese genveränderte Kartoffelsorte wurde eigens für die Kartoffelstärkeindustrie entwickelt.

Stärke wird beispielsweise bei der Herstellung von Papier, Pappe, Textil und Klebstoff benutzt. Die Stärke, die in der Amflora enthalten ist, eignet sich optimal für die Produktion dieser Produkte. Man könnte sie auch essen, sie schmeckt aber nicht wirklich gut. Und weil BASF die Kartoffel in Europa anpflanzen will, hat sie die Zulassung dafür vor dreizehn Jahren beantragt. Im März dieses Jahres wurde nun der Anbau gestattet.

Warum ist das ein Unglück?

Erst Mal klingt das ja positiv: Die Amflora produziert genau die Stärke, die für die Produktion zahlreicher Produkte benötigt wird. Dadurch werden teure Aufbereitungen obsolet und es lassen sich viele Millionen Euro einsparen. Aber neben einem großen Anteil an Stärke steckt in der Amflora unter anderem ein Gen, welches gegen bestimmte Antibiotika resistent ist. Dieses wird einerseits als Marker genutzt, indem Forscher anhand dieses Gens erkennen können, ob es sich bei einer untersuchten Pflanze um eine normale Kartoffel oder eine Amflora handelt. Darüber hinaus wachsen solchermaßen genveränderte Pflanzen schneller und sie sind resistent gegen Bakterien.

Doch stecken in der ganzen Entwicklung zwei Hauptproblemfelder:

Zunächst kann das Resistenzgen von der Amflora auf Bakterien übertragen werden, wodurch sie nicht mehr anfällig gegen Antibiotika sind. In der Folge können aufgrund der Immunität des Bakteriums gegen Antibiotika bisher intakte Medikationen nicht mehr eingesetzt werden. Die Bakterien werden so zum einem Risiko für den Menschen.

Zudem können normale Kartoffelfelder in der Nähe der genveränderten Felder sich “anstecken”, da die Veränderungen übertragbar sind. Mit der Konsequenz, dass die als nicht genmanipuliert geltenden Felder ganz normal abgeerntet und deren Speisekartoffeln verarbeitet werden. Dann würden sich die genveränderten Kartoffeln irgendwann doch auf unseren Tellern wieder finden, obwohl der Verbraucher kein genverändertes Produkt gekauft hat und dergleichen nie geplant war.

Natürlich sind laut BASF diese beiden Fälle nahezu unwahrscheinlich. Und nach dreizehnjähriger Entscheidungsfindung ist die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) anscheinend der gleichen Meinung, denn die Eu-Kommision hat den Anbau für industrielle Zwecke innerhalb des europäischen Binnenmarktes seit März 2010 gestattet. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass aufgrund des Resistenzgens in Österreich und in Luxemburg der Anbau von Amflora bereits wieder verboten wurde. Mal sehen, ob man sich in der Bundesrepublik ähnlich einsichtig zeigen wird.

PS: Angetrieben vom “Erfolg” der Amflora entwickelt BASF Plant Science schon ihren Nachfolger: Die Fortuna (lateinisch für “Schicksal” – was für eine Ironie). Fortuna ist pilzresistent und soll speziell für die Herstellung von Pommes entwickelt werden. Ab 2014 soll sie in Europa auf die Felder kommen – als genmanipulierte Speisekartoffel.

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